VDR
VDR steht für “Video Disk Recorder” und bezeichnet eine Software für Linux, die von Klaus Schmidinger als Open Source unter der GPL-Lizenz veröffentlicht ist.
VDR ist ein kompletter digitaler Videorecorder, der so gut wie keine Wünsche offen läßt, dafür allerdings auch einige Zeit und Linux-Kenntnisse für die Installation und Wartung in Anspruch nimmt.
Ich beschäftige mich seit Februar 2004 recht intensiv mit dem VDR und seinen Möglichkeiten. Diese Seite soll daher einen kurzen Überblick über meine Erfahrungen und meine momentane Konfiguration beschreiben.
Seit meiner ersten VDR-Installation nutze ich folgende Hardware:
Satellitenschüssel (80 cm) mit Quad-LNB zum Empfang von DVB-S, Shuttle XPC Barebone mit einem AMD XP 1800+ Prozessor, Shuttle FN41SP Motherboard, Technotrend PCI DVB-S-Receiver-Karte (Rev. 1.3, full featured), 256 MB RAM, 160 GB Festplatte (Samsung SV1604N), NEC DVD-Brenner und einem externen Infrarot-Empfänger (seriell).
Dieser PC und die Satelliten-Empfangsanlage ist bei meinen Eltern in Marburg untergebracht, die Steuerung und Programmierung der Maschine erfolgt per VDR Admin, einem browserbasierten Frontend, das ich über einen SSH-gesicherten Tunnel erreiche. Per SSH wird auch die Linux-Distribution konfiguriert und gewartet.

Verkleinerte Ansicht auf die browserbasierte virtuelle Fernbedienung
Die momentane VDR-Installation basiert auf der c”t-VDR-Distribution 4, die wiederum auf Debian GNU/Linux 3.1 (Sarge) fußt.
VDR speichert den einkommenden DVB-S-Datenstrom ohne Änderungen als MPEG2 und beherrscht neben den üblichen Videorecorder-Funktionen natürlich auch Dinge wie Time Shift und kann Aufnahmen auf DVD brennen.
Das größte Problem bei der Erst-Installation des Systems war die Tatsache, dass der Rechner an einem Standort steht, an dem eine Internet-Anbindung per LAN-Kabel zu aufwändig gewesen wäre. Also musste er per WLAN ins Netz gebracht werden, dazu habe ich ein Shuttle PN11 WLAN-Modul installiert, das die Distribution aber leider nicht unterstützt hat. Also musste ich mir mit den linux-wlan-ng-Quellen selber einen Treiber kompilieren, seitdem funktioniert die Netzwerk-Anbindung über WLAN aber ohne Probleme.
Der Recher ist in der Lage, sich selber zu einer voreingestellten Zeit selbständig anzuschalten, um programmierte Sendungen auzunehmen. Dies geschieht mit der Software nvram-wakeup, welche in der Lage ist, eine Aufwachzeit ins BIOS zu schreiben (das BIOS muss dies prinzipiell unterstützen).
Die für das Setzen der Zeit relevanten Speicherblöcke im BIOS-Speicher wurde von nvram-wakeup zunächst nicht erkannt, daher musste ich zunächst eine Konfigurationsdatei dafür erstellen. Diese habe ich an den Quelltextverwalter von nvram-wakeup geschickt, er hat sie in die Sofware integriert und nun wird das Shuttle FN41SP auch standardmäßig unterstützt.
Für die lokale Steuerung ist per serieller Schnittstelle ein Infrarot-Empfänger angeschlossen, über den man via lirc (Linux Infrared Remote Control) mit einer Standard-TV-Fernbedienung alle Funktionen nutzen kann.
Der Fernseher ist per Cinch-auf-Scart-Kabel mit der Satelliten-Receiver-Karte verbunden, ein Monitor ist am VDR-PC nicht angeschlossen, da er nicht benötigt wird.
Der VDR kann mehrere Sendungen auf verschiedenen Sendern nur parallel aufzeichnen, wenn die Sender über denselben Transponder ausgestrahlt werden. Für verschiedene Transponder wäre der Einbau einer oder mehrerer weiterer Receiver-Karten nötig.
Nun zu den kleinen Problemen, die mich am VDR bisher stören. Hin und wieder sind Aufnahmen in Bild und Ton asynchron. Dies ist besonders unschön, da ich die Aufnahmen von Ilmenau aus nicht wirklich testweise anschauen kann und die Sendungen dann über Internet von der Festplatte auf DVD brenne, der DVD-Rohling ist dadurch natürlich verschwendet.
Die Ursache für dieses Problem ist mir bisher noch nicht klar.
Eine Zeit lang hat sich der Rechner zu den programmierten Zeiten angeschaltet, dann aber nicht gebootet. Diese Problematik ist bei Rechnern mit Nvidia-Grafikkarte (bei mir onboard) ohne angeschlossenen Monitor bekannt. Allerdings hatte es vorher ein gutes Jahr problemlos funktioniert. Ich habe also nach einer Anleitung den Grafikkartenausgang mit drei 75-Ohm-Widerständen gespickt. Merkwürdigerweise funktioniert es jetzt aber auch wieder ohne. Dieses Phänomen ist mir ebenfalls unerklärlich.
Ansonsten bin ich mit dem VDR hoch zufrieden und kann ihn jedem Interessierten nur wärmstens empfehlen. Voraussetzung ist allerdings Spaß am Basteln, ein wenig freie Zeit und wenigstens Linux-Grundkenntnisse.
Und wenn es doch mal Probleme gibt, wird dem Hilfesuchenden im VDR-Portal gerne geholfen.