Der Traum ist aus

Er ist nun aus, der Traum von der Weltmeisterschaft im eigenen Land, der Traum von der Wiederholung des Erfolges von 1974.

Am Willen der Mannschaft hat es nicht gelegen, ebensowenig am 12. Mann, der auch im Dortmunder Stadion wie in allen Spielen vorher wie eine Wand hinter dem Team stand. Man muss wohl sagen, dass die Italiener verdient gewonnen haben. Trotzdem sind die Umstände des Ausscheidens unvorstellbar bitter. In der vorletzten Minute der Verlängerung. Gegen Italien.
Und nun kann man nachvollziehen, wie schlimm das Ausscheiden unserer Gegner aus Schweden und Argentinien für deren Fans hier in Deutschland war. Die Sieges- und besonders Hämegesänge der Siegerfans tun wirklich weh.

Danke, deutsche Mannschaft, für eine trotz Niederlage großartige WM, die mir ebenso wie Millionen Anderen eine riesige Freude bereitet hat. Nun heißt es kämpfen um den dritten Platz.
Auch wenn ich es gerne tun würde, werde ich selber in Stuttgart nicht mehr dabei sein, meine persönliche Live-WM ist nun beendet. Ich habe neun der 64 Spiele in den Stadien Hamburg, Berlin, München, Stuttgart, Hannover und Dortmund gesehen, davon vier mit der deutschen Mannschaft. Es hat sich gelohnt. Und ab nun gilt:

Allez les Bleus!

Trauer in Dortmund
Trauer im Dortmunder WM-Stadion. Michi, Ulli, Henning, Dorit.

Nach all den Nächten, die voll Sternen hingen,
nun diese dumpfe, trübe, nasse Nacht,
als wär die Arbeit aller Zeit vollbracht
und niemals wieder Hoffnung auf Gelingen.

Wohin die Schritte weisen, da das Ziel
ertrank im nebeligen Grau der Wege?
Ich such nur noch, wo ich mich niederlege,
den stillen Platz. Verloren ist das Spiel.

Ich höre vieler Menschen Schritte tasten -
verirrte Menschen, einsam, müd und arm -
und keiner weiß, wie wohl ihm wär und warm,
wenn wir einander bei den Händen faßten.

von Erich Mühsam, gefunden bei Spiegel Online

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